2016-03-15
In vielen Ländern wollen Eltern vor allem männlichen Nachwuchs und verhindern die Geburt weiblicher Babys. Dort gibt es mittlerweile zu wenige Frauen. Wissenschaftler untersuchen, zu welchen Problemen das führen kann.
Seit etwa zwanzig Jahren kann man durch Ultraschall und frühe Blutuntersuchungen schon in der Schwangerschaft das Geschlecht oder gesundheitliche Probleme des Kindes feststellen. Immer mehr Eltern entscheiden bereits vor der Geburt, ob sie ihr Baby wirklich bekommen wollen. In vielen Ländern treiben Frauen weibliche Föten ab, weil sie lieber einen Sohn haben möchten.
Söhne können zu Hause bleiben und sich um die Eltern kümmern, erklärt Christophe Guilmoto vom französischen Forschungsinstitut für Bevölkerung und Entwicklung in Paris. Außerdem führen sie den Familiennamen weiter. Töchter hingegen heiraten in eine andere Familie hinein. Die Kosten für eine spätere Mitgift der Töchter sind meist höher als die für eine Abtreibung. „Eltern wollten einfach der Natur ein Schnippchen schlagen, um die Geburt von Töchtern zu vermeiden" , meint Guilmoto. „Nur wussten sie nicht, dass Millionen von anderen Paaren die gleiche Idee hatten! "
In der Folge gibt es allein in Asien 117 Millionen mehr Männer als Frauen, schätzt der Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen, UNFPA. Den größten Zahlenunterschied gibt es in den beiden bevölkerungsreichsten Länder der Erde, Indien und China. Doch auch in Aserbaidschan und Armenien oder in Albanien und Mazedonien ist der Jungenanteil bei den Geburten viel zu hoch.
Die schwedische Soziologin Lisa Eklund hat sich mit den negativen Folgen des Männerüberschusses beschäftigt. Sie glaubt, dass es in Ländern mit großen Einkommensunterschieden für Männer am unteren Soziallevel immer schwieriger werden wird, eine Ehefrau zu finden. Außerdem warnt sie vor den Konsequenzen für die Frauen: „Gesellschaften mit einem Männerüberschuss neigen eher dazu, Frauen unter einer strengen Kontrolle zu halten" , sagt sie.
2016/3/15 16:31:33
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