2016-12-28
SPRECHERIN: Die Online-Enzyklopädie Wikipedia hat den Zugang zu Wissen revolutioniert.
Das ambitionierte Ziel: sämtliche Informationen über die Welt der Allgemeinheit bereitzustellen.
Christian Rickerts ist im Vorstand der deutschen Sektion von Wikimedia, dem Verein hinter Wikipedia.
Er zieht Bilanz.
CHRISTIAN RICKERTS (Vorstand bei Wikimedia): Die Wikipedia hat klar gemacht, dass es bei … bei Wissen ja nicht nur um das Konsumieren von Wissen geht, sondern auch um das Teilen von Wissen, um Wissen zu vermehren.
SPRECHERIN: Geschrieben werden die Artikel von Freiwilligen.
Fast 6.000 Menschen sind regelmäßig in der deutschen Version aktiv.
Sie korrigieren auch Inhalte und Rechtschreibung.
Einer von ihnen: Martin Rulsch.
Der 28-Jährige arbeitet schon seit zehn Jahren ehrenamtlich für Wikipedia.
MARTIN RULSCH (ehrenamtlicher Mitarbeiter): Wikipedia ist für mich das sinnvollste Hobby der Welt.
Zum einen: Ich beschäftige mich mit Wissen, mit Informationen, kann selbst etwas dadurch lernen und anderen Informationen weitergeben.
Das ist ganz altruistisch quasi gedacht: Ich gebe etwas und partizipiere daran.
SPRECHERIN: Die rund 70.000Freiwilligen weltweit haben eine der meistbesuchten Seiten im Netz erstellt.
Wichtig für den Erfolg: der Wahrheitsgehalt der Artikel.
Auch er wird von der Gemeinschaft überwacht.
Dafür hat sie sich ein komplexes Regelwerk auferlegt.
Das Gemeinschaftsprojekt Wikipedia beschäftigt auch die Wissenschaft.
Für den Betriebswirt Leonhard Dobusch steht fest: Das Portal hat den Umgang mit Informationen verändert.
LEONHARD DOBUSCH (Betriebswirt): Wie verschiedene Vergleichsstudien zwischen Wikipedia und traditionellen Enzyklopädien zeigen, ist es so: In beiden Fällen finden sich oftmals Fehler, Unschärfen, Ungenauigkeiten.
Ich glaube, der große Vorteil von Wikipedia ist, dass da jedem klar ist, dass da verschiedene Leute dran mitgeschrieben haben und dass man das prinzipiell mit Vorsicht genießen muss.
Während bei klassischen Enzyklopädien man das irgendwie selten angezweifelt hat, was da dringestanden hat.
SPRECHERIN: Doch es gibt auch Kritikpunkte: Zum Beispiel die aggressive Spendensammlung von Wikimedia.
Der Verein nimmt weit mehr ein, als er für die Wikipedia-Seiten benötigt.
Damit sollen ein finanzielles Polster aufgebaut und weitere gemeinschaftliche Online-Portale finanziert werden.
Zum Beispiel „Wikimedia Commons", ein lizenzfreies Bild-, Ton- und Textportal, die Zitat-Datenbank „Wikiquote" oder „Wikidata", das frei zugängliche Datensätze sammelt und verfügbar macht.
Ein weiteres Problem: der Autorenschwund.
Das komplexe Regelwerk ist nicht jedermanns Sache.
Viele Erstnutzer steigen nach kurzer Zeit genervt aus.
Die Anzahl der aktiven Wikipedianer ist rückläufig: in der deutschen und englischen Version um bis zu 40 Prozent.
CHRISTIAN RICKERTS: Das ist so eines der Ziele für 2016, wo wir uns halt auch überlegt haben: Wie kann man das noch einfacher machen, wie kann man das noch attraktiver machen, da auch in der Wikipedia mitzumachen und mitzudiskutieren.
SPRECHERIN: Zahlreiche Anwendungen greifen auf die freien Informationen der Wikimedia-Projekte zu, wie „Histropedia".
Hier können User individuelle Zeitleisten zu bestimmten Themen erstellen.
Oder „Wiki-Galaxy", das Wikipedia-Artikel samt Verlinkungen als Sternensystem anzeigt.
LEONHARD DOBUSCH: Wikipedia hat auf jeden Fall neu definiert, was eine Enzyklopädie ist und enzyklopädisches Wissen in einem Maße breit und der Allgemeinheit zugänglich gemacht, das wäre vor 15 Jahren noch völlig undenkbar gewesen.
SPRECHERIN: Und auch in den kommenden Jahren will die Wikipedia-Community Großes leisten.
MARTIN RULSCH: Oh, da ist viel zu tun, würd' ich sagen.
Wir haben noch … , wenn man mal schaut, es gibt 'ne Sammlung in der Wikipedia, welche Artikel könnten noch geschrieben werden.
Das sind noch ungefähr 100 Millionen.
Also es ist viel zu tun.
SPRECHERIN: Einiges ist schon geschafft: Wikipedia hat den herkömmlichen Enzyklopädien den Rang abgelaufen – und viel Weltwissen bereits zugänglich gemacht.
2016/12/31 14:24:34
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