2015-06-18
Wer rechnet, zählt. Wer spricht, erzählt. Wer mit jemandem rechnet, zählt auf ihn. Nicht wenige Menschen meinen, dass Zahlen etwas Wunderbares sind, ein Leben ohne Zahlen undenkbar ist – solange man nicht zahlt.
Mit Zahlen und zählen hat jede und jeder von uns täglich zu tun: Wir feiern Geburtstage oder Jubiläen in sozialen Netzwerken beispielsweise, wir zahlen unseren Einkauf an der Kasse. Und schon als Kind lernten wir beim Versteckspielen das Zählen: „1, 2, 3, 4 Eckstein, alles muss versteckt sein" . Dass jedes Kind sich spätestens bei „vier" irgendwo versteckt hat, ist wohl klar. Darauf kann man in der Regel zählen.
1, 2, 3, 4 … Etwas komplizierter ist das Rückwärtszählen: 4, 3, 2, 1 – auch bekannt vom „Countdown" her, der bei Null endet, bei „Zero" . Bei einfachen Zählgeschichten – wie in „Zehn kleine Negerlein" – kann man „hoch" oder „runter" zählen. Die einzelnen Verse bleiben immer gleich lang. In komplexeren Zählgeschichten werden die Verse aber immer länger, denn bei jedem Durchlauf wird ein neuer Reim angefügt. Ein bekanntes Beispiel: „Der Bauer schickt den Jockel aus" . Der Text geht – so wird vermutet – auf ein mehr als 2500 Jahre altes aramäisches Werk zurück. Phantasievoll könnte man jetzt weiterdichten: „Der Bauer schickt den Jockel aus, der ging in die weite Welt hinaus …" . Ende offen.
Absichtsvolles Verzählen gibt es sicher auch schon seit 2500 Jahren: „1, 2, 3, 4, 7, hundert – ich komme! " Da stimmt was nicht, oder? „Du kannst mir viel erzählen" oder: „Erzähl keine Märchen" werden aufmerksame Menschen da einwenden, die mitgezählt haben. Aber Kinder, die beim Durchzählen Zahlen auslassen, sollte man nicht kritisieren: Sie haben das Zeug zum Märchenerzähler. Und: Sie sind sympathischer als Menschen, die alles allzu genau nehmen. Diese Pedanten nennt man Erbsenzähler. Was die alles erzählen! Ich könnte da ungefragt weitererzählen … Na, ein anderes Mal!
Absichtsloses Verzählen gibt es auch. Es war einmal – nein ich erzähle keine Märchen – vor etwa 800 Jahren, da konnten die Menschen hier bei uns mit der Zahl „Null" nichts anfangen, präziser: mit dem Konzept der Zahl „Null" . Das wurde in Europa erst mit der Einführung der arabisch-indischen Zahlen ab dem 13. Jahrhundert anders. Früher war es von „heute" bis „heute" ein Tag. Diese alte Inklusivzählung findet sich noch immer in einigen Redewendungen. So ist es durchaus üblich zu sagen „in acht Tagen" , wenn man eine Woche meint, die ja nur sieben Tage hat. Ähnlich ist es im Französischen: „quinze jours" , zu Deutsch „fünfzehn Tage" , steht für zwei Wochen.
„Er kann nicht bis fünf zählen" – so verspottet man einen, der nicht einmal weiß, wie viele Finger er an seiner Hand hat. Natürlich passiert das auch einem weiblichen Mitglied unserer Gesellschaft! Musikern kann das egal sein. Sie müssen bis vier zählen können. „A one, a two – a one two three four! " Hier wird die Geschwindigkeit vorgegeben. „Anzählen" nennt man das.
Auch im Boxsport wird angezählt. Während das Anzählen in der Musik am Anfang steht, markiert es beim Boxen häufig das Ende. Korrekter: das Beinahe-Ende. Erst wenn der Ringrichter bis zehn zählt. „. . . acht, neun, aus! " , ohne dass sich der zu Boden Gegangene wieder kampfbereit erhebt, ist aus dem Anzählen ein Auszählen geworden.
Was kann man noch zählen? Schäfchen zum Beispiel – als Einschlafhilfe. Die braucht nötig der, der einen anderen sehnsüchtig erwartet, da er ruhelos die Tage (herunter)zählt bis zur Ankunft des geliebten Menschen – ein Countdown der emotionalen Art. Gezählt werden kann natürlich auch: Geld. „Sie zählt die Scheine auf den Tisch" heißt: Diese Frau legt das Geld in einzelnen Scheinen auf den Tisch und zählt sie dabei. Auch beim Kartenspiel wird gezählt: Ein Ass zählt 11 Punkte. „Zählen" steht hier für „wert sein" . Was ist dann der Wert der Zahl? Nun, wer einfach kombinieren kann, wer in der Lage ist, eins und eins zusammenzuzählen, wird mit dem griechischen Gelehrten Pythagoras übereinstimmen: „Die Zahl ist das Wesen aller Dinge. "
Wenn die Zahl allen Dingen innewohnt, wundert es da nicht sehr, dass man manchmal gar nicht weiß, wer das zählende Subjekt ist? Zwei Beispiele: „Das Land zählt zwei Millionen Einwohner" oder „Dieser Sieg zählt zu den wichtigsten Ereignissen des Jahres. " Vielleicht sollten wir es mit Albert Einstein halten, der sagte: „Was wirklich zählt, ist Intuition. "
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