2016-11-08
In der ganzen Welt ist Heidelberg für sein romantisches Märchenschloss über der hübschen Altstadt berühmt. Doch nicht nur das: Die Stadt lebt auch von ihrer Universität – jeder fünfte Einwohner ist Student.
Das Heidelberger Schloss
Besonders Japaner und Amerikaner lieben sie: die Heidelberger Schlossruine inmitten grüner Hänge, hoch über der Altstadt. Die verfallenen Gebäude, Türme und Mauern aus dem roten Sandstein der Region sind genau das, was sich viele unter Romantik vorstellen. Von den Schlossterrassen bietet sich ein idealer Blick auf die Stadt.
Das Schloss war seit dem 13. Jahrhundert Sitz der regierenden Kurfürsten. Sein Bau erstreckte sich über mehrere Jahrhunderte, und es entstand eine Mischung unterschiedlicher persönlicher Vorlieben und Stile, vor allem aus Gotik undRenaissance. Jeder Bewohner ließ seinen eigenen Palast erbauen. Entsprechend sind die Bauten nach Ruprecht III. , Friedrich IV. , Ottoheinrich und Ludwig V. benannt.
Mit dem Dreißigjährigen Krieg begann im 17. Jahrhundert die Zerstörung des Schlosses. Es erlebte Angriffe, Blitzeinschläge, Brände und Sprengungen. Nach einigen gescheiterten Wiederaufbauversuchen wurden die Ruinen schließlich als Steinbruch genutzt, zwischen ihren Überresten graste Vieh. Erst im 19. Jahrhundert entdeckten Romantiker den Ort wieder.
Heute zieht das Schloss jährlich rund eine Million Besucher aus aller Welt an. Sie schauen sich den Schlosshof an, spazieren durch den großen Schlossgarten, besuchen das Apothekenmuseum, trinken in der ehemaligen Sattelkammer einen Kaffee und besteigen das riesige Weinfass, in das über 200.000 Liter hineinpassen.
Ein besonderer Höhepunkt ist die Schlossbeleuchtung, bei der ein Feuerwerk an drei Sommerabenden im Jahr an die Zerstörung des Schlosses durch die Franzosen erinnert. An diesen Sommerabenden versammeln sich Tausende von Einheimischen und Touristen auf den Neckarwiesen, um das romantische Spektakel zu verfolgen.
Der Heiligenberg
Der Heiligenberg bietet nicht nur ein atemberaubendes Panorama: Wer zu einer kleinen Wanderung bereit ist, kann hier, inmitten der Natur und doch nahe der Stadt, geschichtsträchtige Orte entdecken. Die kleine Straße, über die man auf den Heiligenberg gelangt, ist eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Stadt: der Philosophenweg.
Der extrem steile Weg beginnt im Heidelberger Nobelviertel Neuenheim. Er führt zunächst an Universitätsgebäuden und einigen der wohl teuersten Villen der Stadt vorbei.
Der Name „Philosophenweg" stammt vermutlich von den Heidelberger Studenten, die sich von der Schönheit dieses Ortes inspirierenließen – denn Studenten mussten früher vor Beginn des Fachstudiums Philosophie studieren und wurden „Philosophen" genannt. Heute glauben allerdings viele Besucher, dass die Bezeichnung auf die berühmten Dichter und Denker wie Goethe, Hegel, Hölderlin, Eichendorff und Mark Twain zurückgeht, die gerne hierher kamen.
Bis zum Gipfel ist es etwa eine Stunde Fußmarsch. Kurz vorher passiert man die Thingstätte, ein großes Freilichttheater aus Stein, in dem 20.000 Menschen Platz finden. Nach dem Vorbild germanischer Versammlungsorte bauten die Nationalsozialisten die Anlage für Propaganda zwecke. Nach dem zweiten Weltkrieg blieb die Thingstätte – bis auf vereinzelte Open-Air-Veranstaltungen – weitgehend ungenutzt und verfiel.
Nur 100 Meter entfernt befindet sich der höchste Punkt des Heiligenberges. Von hier bietet sich ein grandioser Blick über die Altstadt und das Schloss, den Neckar und die weite Rheinebene. Hier befinden sich auch die Reste des Michael klosters – von dem der Berg seinen Namen hat, denn das Kloster war „allen Heiligen" gewidmet.
Die zwischen 873 und 1033 erbaute Anlage wurde etwa 500 Jahre lang von Mönchen bewohnt. Heute sind allerdings nur noch die Ruinen vorhanden.
Wer noch mehr auf dem Heiligenberg entdecken möchte, kann sich zum Beispiel das Stephanskloster, das Heidenloch und die Bismarcksäule anschauen. Wer nicht so gut zu Fuß ist, gelangt übrigens auch mit dem Auto bis fast zum Gipfel des Heiligenbergs.
Das Cave 54 Cave 54
Versteckt in der schmalen Krämergasse der Heidelberger Altstadt liegt das Cave 54 , das sich selbst als „Deutschlands ältesten Studenten-Jazzclub" bezeichnet。
Ein Besuch könnte so ablaufen: Ein Mann mit grauem Bart schaut durch eine Luke in der Tür und kassiert das Eintrittsgeld. Dann darf man an der Bar vorbei zur eisernen, schmalen Wendeltreppe gehen, die hinunterführt. Das Treppchen ist so eng, dass man Entgegenkommenden lieber den Vortritt lässt, als sich an ihnen vorbeizuschieben. Es führt in ein kleines, dunkles Kellergewölbe mit einer Bar und einer kleinen Bühne.
Gerade werden die Rolling Stones gespielt, und ein 68er in knallengen Jeans tanzt neben Studenten im Poloshirt. Unter dem Gewölbe sitzen Gäste mit Bierflaschen in der Hand auf eigenartig geformten, metallenen Sitzgelegenheiten. Über den Köpfen der Tanzenden schmückt ein Gebilde die Decke, das wie eine Zusammenstellung versilberter Klopapierrollen mit ein bisschen Alufolie aussieht.
1954 wurde der Club von Heidelberger Studenten als "Verein zur Förderung und Pflege studentischer Geselligkeit" gegründet. Hier trafen sie sich zum Diskutieren, zum Wein trinken – und zu ihren legendären Jamsessions, deren bekannteste Musiker Legenden wie Louis Armstrong und Ella Fitzgerald waren.
Heute gibt es neben den Sessions Jazz-, Blues- oder Rockkonzerte und Diskoabende, bei denen die Musik aus den letzten Jahrzehnten aufgelegt wird. Auf Techno und deutschen Schlager wartet man allerdings vergeblich. Das Cave 54 lebt von seinem höhlenartigen Altrocker-Charme – und ist auf jeden Fall einen Besuch wert.
2016/11/9 21:10:26
2016/11/23 4:10:48
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