2016-10-27
Täglich wird gedruckt, bedruckt oder nachgedruckt, steht jemand unter Druck, lügt wie gedruckt, beeindruckt andere oder druckst herum. So vielfältig einsetzbar wie jeder Druckbuchstabe ist auch das Wort selbst.
Ein Blick in den Kalender und Panik bricht aus. Nur noch wenige Tage bis zur geplanten Geburtstagsfeier und die Einladungen sind noch nicht einmal verschickt, geschweige denn gedruckt. Wäre da bloß nicht dieser zeitliche Druck. Jetzt gilt: bloß nicht unter Druck setzen lassen – eine schnelle Lösung muss her!
Ein Mausklick, ein Summen, ein Rattern und schon kommt die Geburtstagseinladung aus dem heimischen Laserdrucker. Nur wirkt das Foto auf der Einladung merkwürdig blass, die Farbe entspricht auch nicht der auf dem Bildschirm des Computers – und außerdem zerfließt sie auf dem teureren, dickeren Papier.
Was wird diese Einladung nur für einen Eindruck bei den Gästen hinterlassen? Werden sie dieses Druckerzeugnis wohl als Ausdruck, als Zeichen, mangelnder Wertschätzung deuten? Denn so eine Laienarbeit beeindrucktdoch niemanden. Da würde auch die Aussage nichts helfen, die Einladungen seien frisch aus der Druckerei gekommen und die hätten dort einen Fehler gemacht. „Du lügst ja wie gedruckt!" wäre zu Recht die Antwort. Nach einigem Herumdrucksen, weil man über die Sache nicht so recht reden möchte und sich ertappt fühlt, würde man dann eingestehen, dass man es mit der Wahrheit nicht so genau genommen hat.
Die Möglichkeit, daheim oder in einem Copyshop Poster, Einladungen und anderes auszudrucken, ist günstig und inzwischen normal geworden. T-Shirts und Tassen lassen sich bedrucken, Kunstwerke auch mal nachdrucken. Die Qualität wird dabei rasch zur Nebensache. Alles muss unter Hochdruck sofort erledigt werden.
Solche Entwicklungen sorgen dafür, dass die traditionsreiche Branche der Druckindustrie starkunter Druck steht. Die zunehmende Technisierung, Konkurrenz durch kostengünstige Heimdrucker und mangelnde Druckaufträge machen vor allem kleineren Druckbetrieben zu schaffen. Briefpapier, Visitenkarten und Geburts- oder Traueranzeigen bestellt heute fast keiner mehr. Man versendet E-Mails oder druckt bequem am Computer zu Hause.
Großdruckereien versuchen, dieser Entwicklung entgegenzuwirken, indem sie ihren Schichtbetrieb der Auftragslage anpassen. Auch wird versucht, großeDruckmengen für wenig Geld anzubieten und durch solche Dumpingpreise den Absatz zu steigern.
Einzig die Bundesdruckerei in Berlin bekommt wohl von den gravierenden Veränderungen der Branche wenig zu spüren. Sie wird auch in Zukunft mit dem spezialisierten Druck von Geldscheinen und Reisepässen konkurrenzlos bleiben.
Verändert hat sich der Druckprozess. Bis etwas überhaupt druckreif war, dauerte es früher noch deutlich länger: Es gab kein Textprogramm, keine automatische Rechtschreibprüfung und keine Produktion per Knopfdruck. Früher mussten Texte mühsam mit der Hand gesetzt werden. Die Schriftsetzer benutzten dazu bewegliche Metallbuchstaben, sogenannte Lettern, aus Blei und fügten sie zu einem Text zusammen.
Die anschließende Druckfahne – ein Begriff, der keinesfalls den Atem eines betrunkenen Druckers beschreibt, sondern einen Korrekturbogen – wurde dann noch einmal auf Fehler hin überprüft. Erst der fertige Drucksatz konnte – nach den erfolgten Korrekturen und schlussendlicher Übertragung auf eine Druckplatte – in den Druck gehen, vonDruckmaschinen gedruckt werden.
Wie die Geburtstagseinladung aus der Eigenproduktion zeigt: auch das Druckhandwerk ist eine Kunst für sich. Die Bedruckbarkeit eines Materials kann sehr unterschiedlich sein. Luftfeuchtigkeit kann Papier negativ beeinflussen und auch die verwendeten Druckfarben und deren Eigenschaften spielen eine große Rolle.
Passt man nicht auf, druckt die Farbe ab oder auf ein weiteres Papier durch und man hat sie letztendlich überall, wo man sie nicht haben wollte. Beim Kauf eines Druckers und dazugehörigem Material sollte man deshalb besser das Kleingedruckte lesen, ausdrückliche, explizite Bedingungen.
Bevor man jedoch ein misslungenes Eigenprodukt verschickt, sollte man vielleicht lieber auf eine selbstgeschriebene Einladung versenden. Die macht einen besseren Eindruck. Beim Schreiben stellt sich abschließend nur noch die Frage: Ist es schöner, auf Druckschrift oder doch lieber auf Schreibschrift zurückzugreifen?
沙发还没有被抢走,赶紧过来坐会吧
德语助手最权威的德语词典
德语助手最权威的德语词典

扫描二维码,下载《德语助手》