2016-02-11
Die steinerne Brücke von Regensburg entstand zwar erst Mitte des 12. Jahrhunderts.
Doch das Geschäft mit Zöllen am Donauübergang hat dann sehr viel längere Trandition.
Heute zählt Regensburg 1500 denkmalgeschützte Gebäude.
Kein Wunder, dass die Altstadt zum Weltkulturerbe erklärt wurde.
Der vielen Türme wegen gilt sie auch als " nördlichste Stadt Italiens" .
Aus der Luft sieht Regensburg aus wie aus dem Spielzeugland.
Die Stadt rund um den Dom hat das Glück im Krieg verschont zu bleiben.
Und so sieht man Regensburg noch heute an, was in vielen deutschen Städten durch Bombenhageln und Abrisswahnen verloren ging.
Die Vergangenheit.
Oder besser: Gleich mehrere Vergangenheiten.
Also Städte haben eigentlich auch so was wie Bäumewachstumsringe.
und man kann aus der Luft ganz gut erkennen, ob eine Stadt einen vorindustriellen Kern hat.
Der kann bis zurückgehen in die Römerzeit.
Dann sehen wir das an dem klaren Raster, das die römischen Städte hatten.
lm Mittelalter hatten die Städte meinstens um eine Kirche herum, um einen Markt herum, eine relativ enge Bebauung, die aber nicht wie das römische Raster klar geometrisch war, sondern sich mehr oder weniger je nachdem Fortschritt der Bebauung richtete.
Dann die Mauern und denn um gab's Wall, das ist heute, aus der Luft, häufig noch zu erkennen.
Am Boden ahnt man nur das mittelalterliche Straßengewirr der Altstadt.
Doch mit etwas Abstand werden noch ältere " Jahresringe" sichtbar.
Die Umrisse eines fast 2000 Jahre alten Römerlagers.
Im 2. Jahrhundert lässt Roms Kaiser Marc Aurel das Lager im perfekten Rechteck bauen.
6000 Legionäre der 3. Italischen Legion werden in Castra Regina, der " Burg am Regen" , stationiert.
Westlich des Lagers entsteht eine Siedlung, in der sich römische und eine heimische Kelten mischen.
Die Versorgung der Legionäre schafft Auskommen für noch einmal 6000 Menschen.
Die Römer nennen solche Siedlungen " Canabae" woraus in Deutsch " Kneipe" wird.
Dreihundert Jahre später beginnt der Untergang des Römischen Reiches. Das Lager verfällt.
Schuttberge machen das alte Schachbrett des Lagers bald unpassierbar.
Einheimische und Durchreisende suchen sich neue Wege.
Trampelpfade, die sich mit dem Lauf der Jahrhundert zu Wegen und Straßen verfestigen.
Das Verblüffendste: Bis heute verlaufen auf genau diesen Trampelfaden die Gassen von Regensburg.
Und auch die Umrisse des Castra Regina sind bis heute erkennbar.
Die Frage ist warum ändern sich über die Jahrhundert solches Grundmuster einer Stadt nicht?
Auch wenn seine Arbeitsgeräte etwas ungewöhnlich sind, Klaus Leidorf ist Archäologe.
Er sucht aber nicht im Urwald oder Wüstensand nach Spuren der Vergangenheit, sondern in Bayern.
Und das mit Spiegelreflexkamera und Propellerflugzeug, statt mit Spaten und Spitzkelle.
Seine Fundstücke füllen längste Archive, nicht Scherben und Metallstücke sondern gestochen scharfe Fotos.
denn Klaus Leidorf ist auf der Jagd nach Mustern.
Spuren, die unsere Vorfahren in Boden hinterlassen haben.
Der Luftbildarchäologe kann von oben erkennen, wo alte Mauern, Straßen, Brunnen,längst unter der Erde verschwunden sind.
lm Sommer, wenn das Getreide reif ist, ist meine Hochsaison.
Weil es sehr viele Getreidefelder noch gibt, in denen man Bewuchsmerkmale erkennen kann.
Der Bewuchs auf den Feldern reagiert auf das, was im Untergrund ist.
Ich haben eben diesen Abstand, diesen Paar hundert Meter Abstand, weil dann die Muster für mich deutlich wäre.
Wenn ich zu nahe daran wäre, würde ich nicht sehen. So ähnlich wie eine Ameise über einen Teppich läuft erkennt ja vom Muster auch nichts.
Heute findet er eine kreisrunde Struktur unter einer Stromleitung.
Eine Grabanlage aus der Eisen-- oder Bronzezeit.
Der Archäologe hat schon diesen Grenzturm der Römer fotographiert.
Eine keltische Viereckschanze, eine Römer-Villa, eine steinzeitliche Befestigung.
Und was aussieht wie ein Smiley sind die Spuren einer Kultstätte aus der Steinzeit, ähnlich dem englischen Stonehenge.
Das gibt in der Steinzeit Tempelanlagen hier in Niederbayern, die älter sind als die Pyramiden in Ägypten und schon mit großem architekturischen Aufwand konstruiert wurden sind.
Genau zur Sonnenwendzeit und so was haben die sie ihre Eingänge usw.
Da wo der Mensch begonnen hat, in der Erde irgend etwas herumzurühren, auch da beginnt meine Arbeit.
Leidorfs Funde reichen zurück ins 8. Jahrtausend vor Christus.
Doch nichts ist für die Ewigkeit.
Was in den Sommermonaten wie mit Zaubertinte sichtbar wird, kann im nächsten Jahr schon umgepflügt sein, in einen Parkplatz verwandelt oder als Zementwerk.
Wie hier auf dem Limes, der historische Grenze zwischen dem Römischem Reich und Germanien.
Die stärkste Veränderung hat natürlich in den letzten 100 Jahren stattgefunden,durch diesen immensen Straßenbau, durch die Landwirtschaft, die sich immer stärker hineinfrisst hat.
Und ich bin traurig, wenn ich sehe, dass an manchen Stellen die Dinge schon verschwunden sind. Das, was in 10. 000 Jahren entstanden ist. Das ist in den letzten 20, 30 Jahren schon zum großen Teil kaputt gegangen.
Allein in Bayern entdeckten Klais Leidorf und sein Vorgänger bisher über 30. 000 Fundstellen.
Jede davon ist ein Leuchtpunkt auf diesem Satellitenbild.
Seit Archäologen in die Luft gehen, um in den Boden zu schauen, haben sie weiter über 100. 000 historische Stätten entdeckt.
Ganz Deutschland glüht, wenn man jede Fundstelle mit einem Leuchtpunkt versieht.
Doch nur ein Bruchteil davon ist untersucht worden.
2016/2/12 4:40:18
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