2016-10-15
Sie sind aus dem Stadtbild nicht wegzudenken: die 33.000 Studenten, die an der Heidelberger Uni eingeschrieben sind. Ihr Ansehen war in der Vergangenheit stets hoch, doch ihr Verhalten nicht immer vorbildlich …
In Heidelberg steht die älteste Universität Deutschlands. Kurfürst Ruprecht I. hat sie 1386 gegründet und wäre wohl sehr stolz darauf gewesen, dass sie heute zu den renommiertesten Deutschlands zählt. Ihre Studenten hatten in den vergangenen Jahrhunderten einen besonderen gesellschaftlichen Status in der Stadtbevölkerung, und sie waren sich dessen durchaus bewusst. So schrieb der Komponist Robert Schumann 1829: „Der Student ist die erste und angesehenste Person in und um Heidelberg, welches einzig von ihm allein lebt".
Bereits zu dieser Zeit galt Heidelberg als hervorragende Universität, deren Professoren im Vormärz oft liberal eingestellt waren. Die Idee von einem deutschen Nationalstaat mit konstitutioneller Ordnung begeisterte auch zahlreiche Studenten, von denen sich viele in sogenannten Burschenschaften organisierten. Damals galten diese Studentenverbindungen mit ihrer nationalen Ausrichtung als fortschrittlich, heute werden sie wegen ihrer häufig reaktionären Anschauungen kritisch gesehen.
Mehr noch als für ihr politisches Engagement zeichneten sich die Burschenschaften aber stets durch ihre eigenartige Bräuche aus: So veranstalteten sie zum Beispiel illegale Fechtkämpfe und waren stolz auf die Schnittwunden in ihren Gesichtern. Um die sogenannte „Schmisse" für immer sichtbar zu machen, gossen manche sogar Rotwein darauf.
Das Fechten war auch einer der häufigsten Gründe für die Inhaftierung im Studentenkarzer der Universität. Denn die musste ihre Studenten selbst für deren Vergehen bestrafen. Dafür hatte sie bereits seit 1545 eigene Gefängnisräume.
Zwar waren die Zellen feucht und kalt, doch durften die Inhaftierten zu Vorlesungen gehen, Besucher empfangen, sich Essen liefern lassen und sogar Alkohol trinken. Und sie waren stolz auf ihre Inhaftierung, was an den zahlreichen Zeichnungen, Schnitzereien und Schriften an den Wänden des Studentenkarzers zu erkennen ist.
Neben den Wappen und Uniformen ihrer Verbindungen verewigten die Studenten hier auch die Gründe für ihre Inhaftierung: Sie tranken zu viel Alkohol, störten die nächtliche Ruhe der Bürger, traten Laternen aus und beleidigten Polizisten. Fast vier Jahrhunderte lang saßen Heidelberger Studenten im Karzer die Strafe für ihre Vergehen ab, bis das Gefängnis 1914 geschlossen wurde.
Heute zählt die Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg etwa 33.000 Studierende und über 10.000 Beschäftigte. Bekannte Heidelberger Studenten waren zum Beispiel die Philosophin Hannah Arendt, die Schriftstellerin Anna Seghers oder der ehemalige Bundeskanzler Helmut Kohl. Zehn Professoren der Universität sind mit einem Nobelpreis ausgezeichnet worden – zuletzt 2008 der Mediziner Harald Hausen.
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