2016-12-25
Anna: Hallo, schön dass Sie wieder dabei sind bei:
Ardhi: „Grüße aus Deutschland".
Anna: Sie hören die Folge:
Ardhi: „Fröhliche Weihnachten".
Anna: Weihnachten ist das große Fest im Jahr. Aber es gibt auch immer mehr Menschen in Deutschland, die Weihnachten nicht feiern.
Ardhi: Warum, zum Beispiel, feiert dieser junge Mann nicht?
Anna: Vorher noch ein Wort: „getauft". Man tauft ein Baby. Durch diese Zeremonie gehört es zur christlichen Kirche. Es ist getauft.
Marion: Feiern Sie Weihnachten?
Mann: Überhaupt nicht. Die ganze Familie feiert nicht.
Marion: Äh, haben Sie noch nie gefeiert?
Mann: Doch, früher als ich klein war. Jetzt nicht mehr. Bestimmt seit zehn Jahren nicht mehr.
Marion: Und warum nicht?
Mann: Hat sich so ergeben. Nicht gläubig, nicht getauft, gar nichts. Muss man auch nicht Weihnachten feiern.
Marion: Und fehlt Ihnen nichts?
Mann: Nö, eigentlich nicht.
Anna: Warum feiert der junge Mann nicht Weihnachten?
Ardhi: Weil er nicht getauft ist. Und weil er auch nicht gläubig ist.
Anna: Also, er glaubt nicht an Gott. „Der Glaube" – „an Gott glauben", „gläubig sein".
Ardhi: (lehrerhaft) Ja, da hab ich ein paar Zahlen …
Anna: (trocken) Fein.
Ardhi: Also: 68 Prozent der Menschen, die in Deutschland leben, gehören zur christlichen Kirche. 28 Prozent haben keine Religion.
Anna: Es gibt aber auch Christen, die Weihnachten nicht feiern.
Ardhi: Warum feiert diese Frau nicht?
Frau: Weil ich diesen ganzen Rummel nicht mehr mitmache. Der Sinn des Festes geht dabei total verloren.
Ardhi: „Der Rummel" ist eigentlich eine Kirmes, ein Volksfest mit Karussells und so.
Anna: Aber was meint die Frau wohl hier mit „Rummel"?
Ardhi: Rummel bedeutet hier: ungefähr 3456 Menschen, die alle gleichzeitig in einem Geschäft stehen und nach einem Weihnachtsgeschenk suchen.
Anna: Etwas kürzer: der Trubel.
Ardhi: Die Frau hat noch gesagt: Der Sinn, also die Bedeutung des Festes „geht verloren".
Anna: Auch zum Beispiel ein Schlüssel kann „verloren gehen", nämlich dann, wenn man ihn „verliert". Dann ist er weg.
Ardhi: „Der Sinn des Festes geht verloren".
Anna: Anders gesagt:
Ardhi: Das Fest verliert seinen Sinn.
Anna: Hören wir die Frau noch mal.
Frau: Weil ich diesen ganzen Rummel nicht mehr mitmache. Der Sinn des Festes geht dabei total verloren.
Ardhi: Ach, ich kann sie verstehen . . .
Anna: Ach komm, Ardhi, alter Weihnachtsmuffel!
Ardhi: Jetzt muss ich auch noch einen Baum kaufen. Für meine Eltern.
Anna: Hach, einen Weihnachtsbaum. Schön!
Ardhi: Warum kann man die armen Bäume nicht einfach im Wald lassen?
Anna: Also, ohne Weihnachtsbaum würde mir etwas fehlen!
Ardhi: Ja, die Arbeit, ihn zu schmücken. Das versteh ich sowieso nicht, warum man an einen schönen Baum blöde bunte Kugeln hängen muss.
Anna: Ha ha ha. Aber . . . ähm, warum stellt man eigentlich einen Baum ins Zimmer? Ach du liebe Zeit! Haben Sie mich erschreckt!
Geist: Man stellte schon immer Zweige, die auch im Winter grün sind, an Weihnachten ins Zimmer. Man glaubte, dass sie eine gute Kraft haben und böse Geister abwehren.
Ardhi: Der Herr hat uns schon mal besucht. Er ist ein „Spezialist für Tradition".
Anna: Wie war das mit den grünen Zweigen?
Ardhi: Ich hab' nicht zugehört.
Anna: Man hat doch immer schon an Weihnachten grüne Zweige ins Zimmer gestellt. Und dann war da noch was mit „bösen Geistern". . .
Ardhi: Was könnte das bedeuten: „der Geist"?
Ardhi: „Der Geist" bedeutet: Vernunft, Klugheit, Intellekt.
Anna: Aber nein. Hier geht es geht doch um „böse Geister".
Ardhi: Na, dann erklär´s du. Ich glaube nicht an „Geister". Ich glaube nur an „den menschlichen Geist".
Anna: Also: Ein Geist, das ist jemand, der . . . der eigentlich schon tot ist, aber der trotzdem noch irgendwie . . . äh . . . da ist . . . oder so . . .
Ardhi: Ach so, und man glaubte früher, dass die grünen Zweige eine gute Kraft haben und böse Geister abwehren. Damit sie nicht kommen und einen holen!
Anna: Genau: „Böse Geister abwehren" – was heißt das?
Anna: „Böse Geister abwehren", das heißt: sich vor bösen Geistern schützen.
Geist: Ja, ja.
Ardhi: Tja. Klar, früher musste man „Geister abwehren". Der Winter war eine lange, dunkle Zeit. Das hat den Menschen Angst gemacht.
Anna: Und welche Geister wehren wir heute ab? Mit Bäumen im Zimmer und möglichst viel Stress und Trubel?
Ardhi: Hm … vielleicht die Geister in uns. Und die kommen immer, wenn wir nichts zu tun haben, wenn Stille ist …
Geist: Da haben Sie Recht.
Ardhi: Oh, danke.
Geist: Ich muss Ihnen noch von den Raunächten erzählen.
Anna: Raunächte? „Rau" ist doch das Gegenteil von . . .
Anna: Das Gegenteil von . . . „glatt".
Ardhi: Rau heißt aber auch: kalt und windig.
Anna: Hu, klingt ungemütlich. Und was sind nun die Raunächte?
Geist: Das sind die zwölf langen Nächte vom 24. Dezember bis zum 6. Januar. Früher glaubte man, dass in diesen Nächten die Geister der Toten herumwandern.
Ardhi: Aha. Schon wieder Geister!
Geist: In dieser Zeit deutete man Träume, machte Orakel . . .
Anna: „Träume deuten" – das heißt: sagen, was ein Traum bedeuten könnte.
Ardhi: Und „ein Orakel machen" – das bedeutet: in die Zukunft sehen.
Geist: Am Silvesterabend traf man sich und machte viel Krach, um die bösen Geister zu vertreiben. Man trommelte, musizierte, schoss …
Anna: Fast genauso wie heute. Was macht man an Silvester? Möglichst viel Krach.
Ardhi: Na ja, wenn man damit die Geister vertreibt! Aber das Wichtigste sind natürlich die guten Wünsche.
Anna: Du glaubst an Wünsche?
Ardhi: Na ja, am Beginn jeder Realität steht ein Wunsch.
Anna: „Am Beginn jeder Realität steht ein Wunsch" – woher er das wieder hat?
Anna: Wir wünschen Ihnen frohe Weihnachten und ein glückliches neues Jahr.
Ardhi: Fröhliche Weihnachten, liebe Hörerinnen und Hörer! Und ein glückliches neues Jahr.
Anna: Frohe Weihnachten, Ardhi, und ein gutes neues Jahr.
Ardhi: Danke, Anna. Alles Gute im neuen Jahr.
Geist: Und auch ich wünsche Ihnen ein gutes neues Jahr.
Anna: Hui, weg ist er . . . komisch . . .
Ardhi: Das war doch nur ein Trick von dem Typen! Der will dir imponieren.
Anna: Also Ardhi!
Ardhi: Das kann ich auch. Tschüs!
Anna: Hm, was Ardhi kann, kann ich auch. Tschüs.
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