2016-12-10
SPRECHER: Voller Einsatz ist gefragt, sonst steht man ohne Rohstoff-Karten da.
Doch von denen braucht man bei „Tumult Royal" eine Menge.
Bei dem Brettspiel, das Benjamin Teuber entwickelt hat, ist man ein Adliger, der sein Reich mit Statuen verschönern will.
Es ist eines von rund 1500 Brettspielen, die 2015 in Deutschland erschienen sind – gut 20 Prozent mehr als noch vor fünf Jahren.
Für viele ist das Spielen Ausgleich zum Alltagsstress.
BENJAMIN TEUBER (Spieleentwickler): Ich denke, dass es 'ne sehr bewusste Auszeit ist, vielleicht auch 'n gewisses Achtsamkeitstraining, könnte man schon fast sagen, weil man total im Jetzt gefangen ist und nicht irgendwie an die nächste Woche denkt, was man vielleicht für Aufgaben hat oder was gestern schlecht lief im Job, sondern dass man einfach wirklich hier und jetzt vollkommen fokussiert ist.
SPRECHER: Seit zwei Jahren entwickelt der 31-Jährige hauptberuflich Spiele.
Am Prototyp von „Tumult Royal" hat er eineinhalb Jahre herumgetüftelt und dabei fast einhundert Testrunden gespielt.
BENJAMIN TEUBER: Irgendwann kommt dieser Moment, dass man einfach merkt, ich bin jetzt gar nicht mehr in der Entwicklung, sondern wir spielen gerade einfach nur noch.
Es macht einfach nur noch Spaß, und dann merkt man, oh, jetzt habe ich gerade diesen Moment, wo es nur noch Spaß macht, und ich entwickel gar nicht mehr.
Und dann hat man so 's Gefühl, vielleicht hier und da noch einen kleinen Feinschliff oder so was, aber dann merkt man: Eigentlich ist das Spiel jetzt reif.
SPRECHER: Als Wegbereiter der Entwicklung gilt Benjamins Vater Klaus Teuber.
Sein Brettspiel „Die Siedler von Catan" verkaufte sich mehr als 22 Millionen Mal weltweit.
Populär ist es auch bei Computer-Nerds im Silicon Valley – ein Gegenpol zum Alltag vor dem Bildschirm.
Selbst Facebook-Gründer Mark Zuckerberg outete sich als Fan.
Den Grund für den Erfolg sehen die Brettspiel-Experten Johannes Jaeger und Jan Cronauer alias Hunter & Cron in der Vielschichtigkeit der deutschen Brettspiel-Landschaft.
JAN CRONAUER (Youtuber): Unter 'nem „German style Boardgame" verstehen die Amerikaner in erster Linie was mit ausgeklügelten Mechanismen, die wie 'n Uhrwerk ineinandergreifen, wo es wenig Glück gibt, wo Spieler nicht vorzeitig sterben oder anderweitig ausscheiden können, wo Konflikt nicht darin besteht, dass man militärische Einheiten oder Raumschiffe oder Zombiehorden aufeinanderhetzt.
SPRECHER: Bei Youtube präsentieren die beiden seit fast drei Jahren ihre Show „Hunter & Cron-Brettspiele".
Täglich stellen sie eine neue Episode ins Netz.
JAN CRONAUER: Ja, hallo und willkommen auf unserem Kanal „Hunter & Cron-Brettspiele", hier findet ihr wirklich alles rund um Brettspiele, Board-Games, Tabletops, Kartenspiele, Kinderspiele, das ganze Zeug.
SPRECHER: Sie stellen Neuerscheinungen vor, rezensieren Spiele und laden andere Youtuber zu ihrem Brettspielclub ein.
Für sie sind Brettspiele längst mehr als nur Familienunterhaltung, sie sprechen von einer Brettspielkultur.
JOHANNES JÄGER (Youtuber): Es ist inzwischen eben auch 'ne, ja, geekige Beschäftigung für Erwachsene oder junge Erwachsene, wie man's nennen mag, die gleichwertig steht zu Filme gucken, Comics lesen, Computerspiele spielen, und da ist es ganz natürlich, dass sich natürlich da auch so, ja, so 'ne Kultur drum herum entwickelt.
SPRECHER: Und die steht längst nicht mehr im Gegensatz zur digitalen Welt.
Viele Verlage stellen ihre Spieleanleitungen als Videos ins Netz.
SPRECHER DER SPIELANLEITUNG: Mischt nun alle anderen Karten außer der Luchs-Karte und gebt jedem Spieler 13 Karten.
Nehmt sie so auf die Hand, dass die Mitspieler sie nicht einsehen können.
SPRECHER: Und auch bei den Brettspielen selbst macht sich ein Hauch Virtualität bemerkbar, etwa bei dem Klassiker Scotland Yard.
Hier unterstützt eine dazugehörige App die Spieler bei ihrer Jagd nach Mr. X. Populär sind auch Spielecafés – sogenannte Ludotheken, etwa die „Spielwiese" in Berlin.
Für einen Euro in der Stunde kann man sich hier aus dem Fundus von etwa 2000 Brettspielen bedienen.
Michael Schmitt hat das Café vor 10 Jahren eröffnet.
Am Anfang war die Resonanz durchwachsen, doch seit zwei Jahren ist das Interesse deutlich gestiegen.
MICHAEL SCHMITT (Spielecafébesitzer): 'n Spielecafé ist 'ne Alternative zur Kneipe, zum Kino, zum Club.
Also, ich habe ganz, ganz viele Kunden, die gerade so am Wochenende bis, bis zum Ende hier spielen und die dann weiterziehen in die Clubs.
SPRECHER: Die jährlich in Deutschland verliehene Auszeichnung „Spiel des Jahres" gilt mittlerweile global als eine Art Brettspiel-Oscar.
Ein Anwärter auf den Titel 2016 ist dann vielleicht auch Benjamin Teubers „Tumult Royal".
沙发还没有被抢走,赶紧过来坐会吧
德语助手最权威的德语词典
德语助手最权威的德语词典

扫描二维码,下载《德语助手》