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2025-03-12
Da ist einer! Nur fünf Millimeter groß und trotzdem ist der Kleine hier verantwortlich für diesen ganzen Aufwand.
Unserem Wald in Deutschland geht es schlecht.
In den letzten drei Jahren alleine sind rund 300 Millionen Bäume abgestorben, so viel wie nie zuvor.
Die Ursache sind die Hitze und die Trockenheit der letzten Jahre.
Und wenn ihr euch überlegt, dass das mit der Klimakrise natürlich heftiger und häufiger wird,
da frage ich mich schon: Was bedeutet das für unseren Wald?
Ist unser Wald noch zu retten?
Es ist so: rund 3000 Quadratkilometer Fläche Wald - so groß wie das gesamte Saarland - haben wir schon verloren.
Das sagt der Waldbericht 2021 der Bundesregierung.
Und das sind zwar nur zwei Prozent des deutschen Waldes, aber es zeigt eben, wo die Reise hingehen könnte.
Vor allen Dingen, wenn man weiß, dass wenn man sich fünf Bäume anguckt, vier davon lichte Kronen haben, also nicht mehr gesund sind.
Dabei hat es ja eigentlich dieses Jahr richtig viel geregnet.
Und da könnte man doch denken: “Hey, das hat dem Wald jetzt so richtig gutgetan.”
Und in manchen Bereichen hat es das sogar.
Gerade für die jungen Bäume war das echt wichtig und gut.
Die großen Bäume, um da den Wassertank wieder aufzufüllen, da reicht so ein Jahr Regen nicht.
Und hier im Harz kann man das leider echt gut sehen.
Der Harz ist echt extrem betroffen.
Nur was können wir tun?
Gibt es vielleicht Baumarten, die besser mit der Klimakrise zurechtkommen?
Und wie wird er aussehen, unser Wald in Deutschland in der Zukunft?
In Deutschland haben wir im Vergleich zu anderen europäischen Ländern mit am meisten Wald.
Ein Drittel der Fläche unseres Landes ist von Wald bedeckt und von Natur aus müssten das eigentlich alles Laubbäume sein.
Mehr als die Hälfte der Bäume sind aber Nadelbäume und ein Viertel unseres Waldes sind Monokulturen.
In Deutschland spielt nämlich die Forstwirtschaft eine große Rolle.
Das bedeutet, dass viele der Wälder, die wir so sehen, eigentlich Plantagen sind.
Also quasi Felder, in denen man Bäume pflanzt, richtig in Reih und Glied, um sie irgendwann ernten zu können.
Dafür benutzt man dann eben auch möglichst schnell wachsende Bäume und das sind eben die Nadelbäume.
Das Problem ist, die nicht mal irgendwie bunt gemischt, sondern hauptsächlich eine Art.
Aber warum ist das ein Problem und wie ist es dazu gekommen?
Vor 2000 Jahren ist Deutschland fast komplett mit Laubwäldern bedeckt. Alles ist voller Buchen und Eichen.
Im Mittelalter wird dann aber so viel Holz für die Siedlungen gebraucht, dass sich die Waldfläche extrem verringert.
Im 17. Jahrhundert tobt der Dreißigjährige Krieg. Es sterben so viele Menschen, dass der Wald davon profitiert. Nur das hält nicht lange an.
Die Industrialisierung lässt die Bevölkerungszahl wieder wachsen und das rasant auf Kosten des Waldes.
Weniger Wald gab es in Deutschland nie.
Damit es nicht zur Holznot kommt, musste was unternommen werden.
Ein paar Fürsten und Wissenschaftler haben sich dann zusammengetan und haben radikal beschränkt,
dass nicht mehr Wald abgeholzt werden darf, als auch nachwächst.
Und sie haben auch wieder aufgeforstet.
Nur haben sie bei der Aufforstung einen Fehler gemacht, der heute den Wald bedroht.
Gebraucht wurde ein Baum, der schnell wächst, um große Flächen aufzuforsten und ordentlich Holz zu produzieren: die Fichte.
Das Problem bei der Sache ist nur, es wurden nur Fichten gepflanzt.
Aber seit der Bepflanzung hat sich das Klima verändert.
Es gibt zunehmend Hitze- und Dürreperioden und das bekommt der Fichte leider so gar nicht.
Die Fichten sind Flachwurzler.
Die kriegen jetzt nicht mehr genug Wasser.
Und weil wir den Wald so geschwächt haben, ist er jetzt angreifbar für Feinde und Schädlinge.
Da wartet schon der ganze Trupp.
Das größte Problem für die eh schon von der Dürre gestressten Fichten ist der Borkenkäfer.
Hier im Harz hat er die Hälfte aller Bäume auf dem Gewissen und in der Not ist hier sogar die Bundeswehr ausgerückt.
Für die Forstwirtschaft geht es im Kampf gegen den Borkenkäfer vor allen Dingen um eins: um Schnelligkeit.
- So? Wo ist er denn, der kleine Plagegeist?
Das sieht man es doch schon! Krass, oder?
Da ist einer! Der Borkenkäfer.
Nur fünf Millimeter groß und trotzdem ist der Kleine hier verantwortlich für diesen ganzen Aufwand.
Jede kranke Fichte, die vom Borkenkäfer befallen ist, wird hier gefällt, geschält und so schnell wie möglich aus dem Wald geschafft.
Damit sich der Käfer nicht noch weiter ausbreitet.
Ein Wettlauf gegen die Zeit.
Wir müssen die Rinde jetzt quasi verbrennen, um den Borkenkäfer wirklich letztendlich zu töten.
Der komplette Harz ist befallen.
Also es gibt keinen Fichtenbestand, wo kein Borkenkäfer drin ist.
- Okay. Der ist schon markiert.
- Der erholt sich nicht mehr, der ist tot.
Also der Borkenkäfer, der bohrt sich quasi ein.
Legt da drinnen seine Eier und die Larven fressen quasi quer zum Einbohr-Loch.
Und wenn der rundum befallen ist, so wie das hier der Fall ist, verdurstet und verhungert der Baum.
Und da ist nichts mehr zu retten.
Normalerweise läuft es ja so, dass durch die Wurzel hier, die trockener ist als ihre Umgebung, automatisch Wasser aufgenommen wird.
Das ist einfach wie ein Schwamm, der das Wasser erst mal reinsaugt.
Nur dann muss es ja irgendwie bis zur Baumkrone hoch.
Und da kommt jetzt der Kapillareffekt ins Spiel.
Natürlich noch ein gutes Schlückchen Rotwein.
In einer der äußeren Schichten des Baumes liegen dünne Leitungen,
an deren Wänden kleben die Wassermoleküle und ziehen sich dadurch etwas nach oben.
Man nennt das Adhäsionseffekt.
Wassermoleküle kleben aber auch aneinander.
Deshalb ziehen die an der Wand die anderen mit nach oben: der Kapillareffekt.
Man kann sich das ein bisschen vorstellen, wie wenn man so einen Strohhalm in Wasser stellt,
dann sieht man doch auch, dass das Wasser so ein kleines bisschen nach oben steigt.
Und der Witz ist: Je enger die Leitungen sind, desto höher kann das Wasser klettern.
Nur bis ganz nach oben kommt es so nicht.
Die Kapillarwirkung, die reicht nur bis zu einem Meter im Baum.
Dann kommt was anderes ins Spiel, nämlich die Sogwirkung.
Bis zu 95 Prozent des Wassers, also fast alles, was der Baum braucht, dient der Verdunstung, um das ganze System zum Laufen zu kriegen.
Wenn ein Wassermolekül ein Blatt verlässt, dann zieht es die anderen Wassermoleküle wie so eine Perlenkette mit sich.
Es entsteht quasi eine Sogwirkung, ein Unterdruck.
Also Wassermoleküle verdunsten hier und ziehen die anderen mit bis nach oben.
Und so schafft es das Wasser bis ganz nach oben in die Krone.
Also so eine ausgewachsene Buche, die schafft an einem warmen Sonnentag ungefähr 500 Liter durch den Baum bis da nach oben.
Ziemliche Meisterleistung und eine echte Superkraft.
Klappt natürlich nur, wenn die Kapillaren auch intakt sind.
Und da greift jetzt der Borkenkäfer an.
Dann zerstört er genau dieses Leitungssystem des Baumes und der Baum muss jämmerlich verdursten.
Der Borkenkäfer als Superschurke.
Normalerweise wehrt sich der Baum mit Harz, aber wenn es so trocken ist wie hier die letzten Jahre,
kann der Käfer mit seinem ganzen Waffenarsenal angreifen.
Er kommt nicht alleine.
Bei Wärme vermehrt er sich nämlich besonders gut.
Seine Antennen sind Super-Sensoren, sie reagieren auf Duftstoffe und spüren so die geschwächten Bäume auf.
Und seine Superwaffe sind Pilzsporen, die das chemische Abwehrsystem der Bäume ausschalten können.
Der hier, der ist auch schon markiert zum Fällen.
Weil auch in dem schlummert quasi der Borkenkäfer.
Und das Problem an der Sache ist: die Viecher, die vermehren sich wie die Karnickel.
Ein Borkenkäfer befällt einen Baum, seine Nachkommen schon 20, die dritte Generation dann über 400.
In diesem Forstwald kämpft man verzweifelt um die Rettung des Waldes,
aber gar nicht weit von hier, im Harzer Nationalpark, scheint sich niemand um die Plage zu kümmern.
Auch diese Bäume hier sind dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen, überall noch die Spuren.
Aber hier wird ganz anders mit dem Problem umgegangen.
- Unser Ziel im Nationalpark oder unser Auftrag ist, Natur Natur sein lassen.
Das bedeutet also, dass wir in diese Prozesse, die hier laufen, nicht eingreifen.
Wir lassen den Borkenkäfer hier laufen, weil er ist ein Bestandteil des Fichtenwaldes.
Dann ist der Borkenkäfer für dich also gar kein Schädling?
- Den Begriff “Schaden” gibt es in der Natur gar nicht.
Für uns ist er kein Schädling.
Vor dem Hintergrund dieser Klimaentwicklungen wirkt er eher wie ein Katalysator.
Er beschleunigt diese Waldentwicklungsprozesse.
Es sieht schon ein bisschen aus wie eine Katastrophe.
- Ja, aber wenn man genau hinsieht, pulsiert hier das Leben.
Auch wenn das im Moment so aussieht, als wäre das hier ganz schrecklich.
Wir nennen das Totholzverjüngung.
Der Baum unten drunter ist mittlerweile so mürbe und so aufgeschlossen,
dass die Fichtensamen, die hier runterfallen, aus den Zapfen von ganz oben Fuß fassen können und wachsen können.
Und hier ist Licht und Sonne und alles, was er braucht.
Und die kleine Fichte kann dann auch wachsen.
Und es zeigt sich, dass der Borkenkäfer gar nicht der Schurke ist.
Erst dank des Borkenkäfers können sich hier ganz, ganz viele neue Arten wieder ansiedeln.
Es kommen Insekten, es kommen Pilze, Pflanzen und die bringen wiederum Vögel mit sich.
Und sogar der Luchs kann wieder zurückkommen, weil sich Mäuse hier überall verstecken.
Deswegen ist der Borkenkäfer nicht der Schurke,
sondern er ist Teil dieses ganz komplexen Beziehungsnetzwerkes, eines funktionierenden und intakten Ökosystems.
Und das geht sogar weiter als das Auge reicht bis in die Wurzelspitzen.
Da wird einem auch bewusst, dass ein Großteil des Lebens, was sich im Wald abspielt, gar nicht über der Erde zu sehen ist, sondern unterirdisch.
Da sind die Wurzeln der einzelnen Bäume tatsächlich miteinander vernetzt.
Und zwar über Pilze, über Mykorrhiza-Pilze, über die stehen die quasi in einem ständigen Austausch.
Eigentlich ist das Ganze eine simple Symbiose: die Pilze, die nehmen Nährstoffe aus dem Boden auf wie Phosphor, geben die an die Bäume ab
und die Bäume geben im Austausch dafür einen Großteil des Zuckers, den sie produzieren, quasi an die Pilze ab.
Alles ist miteinander vernetzt.
Deshalb gilt auch: Je vielfältiger ein System ist, desto stabiler ist es.
Gerade eben auch bei Herausforderungen wie Starkregen oder Dürre und Trockenheit.
Und damit der Wald die Trockenheit in Zukunft besser verträgt.
- Ist ganz schön anstrengend, ey!
Müssen wir weg von der Monokultur.
Eigentlich müsste hier ein Mischwald, ein Buchenwald stehen
und damit dieses intakte Ökosystem wiederkommen kann, müssen Sabine und ich nachhelfen.
Wie viele müssen wir denn pflanzen, Sabine?
- Ja, wir haben in den letzten zehn Jahren 4,5 Millionen kleine Buchen in den Boden gebracht.
- Viereinhalb Millionen?
- Viereinhalb Millionen.
- Und drei habe ich jetzt schon gepflanzt, die erste Generation ist da.
Solche Baumpflanz-Aktionen, bei denen ihr auch mithelfen könnt, gibt es übrigens immer wieder.
Das kriegt ja eigentlich ganz gut bei euren lokalen Forstämtern raus.
Was macht ihr denn, um dem Wald zu helfen? Schreibt mir das gern mal in die Kommentare.
Wie können wir unseren Wald also retten? Durch Waldumbau.
Und das Ziel ist dabei gar nicht unbedingt zu 100 Prozent Laubwäldern wieder hinzukommen.
Wir brauchen eben schon auch schnell wachsende Nadelbäume für unsere Holzindustrie.
Aber das Ziel ist tatsächlich 100 Prozent Mischwald.
Mischwälder sind nämlich der Hammer!
Ich meine überlegt euch das mal.
Ihre Wurzeln ragen unterschiedlich tief, so dass in jeder Schicht das Wasser perfekt genutzt wird.
Oder ihre Kronen sind eben auch unterschiedlich hoch,
so dass selbst Starkregen so richtig abgefedert wird, bis er am Boden ankommt.
Oder ihre Stämme, die bieten ganz vielen unterschiedlichen Insekten und Tierarten einen Lebensraum.
Mischwälder sind der Bringer.
Alles hängt mit allem zusammen.
Und das Ding ist, wir wissen zwar nicht ganz genau, wie das Klima sich ändert,
aber ein paar Sachen können wir schon sagen:
Es wird mehr Starkregen geben und auch mehr Dürre, Trockenheit und Hitzeperioden.
Und das bedeutet, dass einige Waldforschende sagen:
Hey, das wird so schnell gehen mit dem Klimawandel, dass sich unsere heimischen Arten nicht alle werden daran anpassen können.
Also, sagen sie, sollten wir eben unserem Baum-Mix auch robustere Arten aus dem Ausland noch hinzufügen.
Zum Beispiel die Douglasie, die könnte man statt der flachwurzelnden Fichte einsetzen, weil sie nämlich ein Herzwurzler ist,
und damit eben tiefer ragt und auch besser mit Trockenheit zurechtkommt.
Oder andere Arten sind im Gespräch, wie die große Küstentanne.
Oder auch Laubbäume, wie die Roteiche.
All diese Arten kommen übrigens aus Nordamerika,
weil da kommen sie nämlich nicht nur mit Hitze gut klar, sondern eben auch mit Kälte.
Und zum Beispiel Arten aus dem Mittelmeerraum, die könnte man gar nicht gut nehmen,
weil hier müssen sie ja nun mal auch mit dem Frost zurechtkommen.
Das Ding ist, wir werden eben nicht wissen, wie genau das Klima aussieht in 50, 60, 70 Jahren.
Aber Bäume wachsen sehr langsam, deshalb müssen wir jetzt viel ausprobieren und so ’n richtig verschiedenen Baum-Mix auswählen.
Da können wir so richtig lernen von der Natur.
Vielfalt hilft bei Veränderung.
Und genau daran sollten wir uns halten.
Einige Forschende sagen sogar:
Hey, lass die Natur ganz Natur sein, die wird sich schon anpassen.
Aber wenn wir das ein bisschen beschleunigen wollen und der Sache auf die Sprünge helfen, dann können wir das eben mit Vielfalt tun.
Und baumlos wird Deutschland nicht werden.
Der Wald, in dem ihr und ich, wenn wir 70, 80 hoffentlich werden, durch den wir mal spazieren oder gar unsere Enkel,
der wird nun mal einfach ein anderer Wald sein.
Falls ihr Lust habt auf noch ein Video von uns,
dann gibt’s hier noch eins, wo ich Waldbaden ausprobiert habe.
Also da kann man sehen, wie gut einem der Wald tun kann.
Und da wäre noch ein anderes aus dem ZDF-Kosmos.
Und hey, ich freue mich immer, wenn ihr uns ein Abo da lasst.
沙发还没有被抢走,赶紧过来坐会吧