2015-06-01
Seit wann gibt es eigentlich die sprichwörtliche deutsche Qualität? Seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland? Seit Bismarck oder schon zu Preußens Zeiten?
Ich muss Sie enttäuschen - die Geschichte der deutschen Wertarbeit beginnt paradox:
Es war einmal ein Land. Da waren die Löhne niedrig, die Technologie unterentwickelt und die Firmenchefs hatten ein Problem: Wer sollte das billige Zeug kaufen? Richtige Gewinne konnte man nur machen, wenn man die minderwertige Ware als etwas besseres auf den Markt bringt. Am besten, wenn man gute Waren imitiert und dann dort verkauft, wo die echten Markenartikel hergestellt und geschätzt werden. Am besten mit Markennamen, die den Originalen verdächtig ähnlich sind. Sie wissen was ich meine - Produktpiraterie. Ahhhh, Sie denken jetzt an China. Aber völlig falsch - ich rede von Deutschland. Korrekt müsste ich sagen - ich rede vom Deutschen Reich, Mitte des 19. Jahrhunderts.
In deutschen Fabriken werden damals billige Messer Scheren, Rasierklingen hergestellt, dann aber so mit Aufdrucken versehen, dass sie aussehen, wie hochwertige Klingen aus Sheffield „sheffield-made" . Die Stahlfabrikanten dort wehren sich. Ab sofort müssen Importe aus dem Deutschen Reich einen Aufdruck tragen „Made in Germany" .
Doch schon bald wendet sich das Blatt. Deutsche Fabrikanten übernehmen bessere Technologien, lernen von der britischen Konkurrenz. Entwickeln eigene Maschinen und Methoden. Die Waren aus deutschen Landen werden besser beliebter und „Made in Germany" schon nach wenigen Jahren ein Gütesiegel. Jetzt stellen die Briten fest, wie viele ihrer guten Alltagsgegenstände aus Deutschland kommen.
Den Ruf der guten deutschen Qualität den gibt es also seit rund 1 00 Jahren. Sicher hat es auch mit den sogenannten deutschen Tugenden zu tun. Pünktlichkeit, Genauigkeit, Gründlichkeit, Disziplin. Aber gilt das alles auch heute?
Was bedeutet heute „Made in Germany" - ist das noch die gute alte deutsche Qualität? Deutsche Autos - sie kommen eigentlich nur noch zu einem kleinen Teil aus Deutschland, die meisten Teile werden vorher aus aller Welt von Zuliefer-Firmen importiert. Deutsche Textilien gibt es kaum noch, ebenso deutsche Elektronik.
Doch Qualität aus Deutschland ist bis heute weltweit gefragt. Ein Image, das man nicht gern verliert. Dabei warten schon andere Länder mit eigenen Innovationen. Und vielleicht gibt es in einigen Jahrzehnten auch eine ganz neue, besondere Qualität. . . zum Beispiel aus China? Warum soll sich Geschichte nicht wiederholen?
2015/6/2 17:08:37
2015/6/3 0:35:44
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